Rezeption und Avoidancetendenzen gegenüber der deutschen Berichterstattung durch Menschen mit Migrationsgeschichte
Das Promotionsprojekt will untersuchen, wie in Deutschland lebende Menschen mit Migrationsgeschichte Nachrichteninhalte, insbesondere migrationsbezogene, rezipieren und inwiefern sich in dem Rezeptionsverhalten die bekannten Muster von Nachrichtenvermeidung ausmachen lassen. Der Fokus auf migrationsbezogene Nachrichten rührt von der Erkenntnis, dass viele Nachrichtenvermeider:innen das Gefühl haben, dass die Berichterstattung nicht mit ihrer Lebensrealität übereinstimmt.
Während das sich das Phänomen abnehmenden Nachrichteninteresses ausbreitet, wächst die Gruppe der Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland. Die deutsche mediale Migrationsdebatte ist aber nicht neutral gegenüber allen Ländern – häufig wird ein negatives Bild von Menschen mit (vermeintlichem) muslimischem (Migrations-)Hintergrund zeichnet. Die Frage die sich so stellt ist: Können diese Menschen Nachrichten vermeiden, die einen potentiellen Einfluss auf ihre eigene gesellschaftliche Position haben könnten? Aus dieser Überlegung heraus fokussiert sich die Forschung auf Menschen mit nicht-europäischen Migrationshintergründen aus mehrheitlich muslimischen Herkunftsländern Konkret stellen sich für das Promotionsprojekt die Fragen: Welche Art von Nachrichten werden von Menschen mit Migrationsgeschichte in Deutschland wie rezipiert oder ganzheitlich vermieden? Was macht das mit ihrem Verständnis von Zugehörigkeitsverhandlungen und einem Gefühl von gesellschaftlicher Akzeptanz? Wie wirkt sich das auf ihre gesellschaftliche Partizipation aus? Durch die bisher weitgehend unerforschte Themenzusammensetzung will das Promotionsprojekt mögliche Einflussfaktoren auf die Nachrichtenrezeption (migrationsbezogener Inhalte) offen explorieren. Dafür soll zunächst eine qualitative Befragung neue Erkenntnisse und Verbindungen zutage bringen. In einem zweiten Schritt werden Hypothesen auf Grundlage der qualitativen Ergebnisse erarbeitet und in einem standardisierten Verfahren getestet. Um zu ermitteln welche Nachrichten Menschen mit Migrationsgeschichte tatsächlich bevorzugen, wird eine durchzuführende News-Selection-Studie die konkreten Selektionsentscheidungen darstellen.